Am 27. Jänner 2023 nahmen 8a und 8b an einem vierstündigen Workshop zum Thema „Politischer und religiöser Extremismus“ teil.
Zwei Fachleute, Beamte aus der Landespolizeidirektion Wien, erklärten zunächst allgemein, wie Extremismus definiert wird, welche Ausprägungen es derzeit gibt und welche in Wien eine Rolle spielen.
Ein besonderes Augenmerk wurde darauf gelegt zu zeigen, wo radikale politische oder religiöse Vorstellungen enden, die durch die in der Verfassung garantierten Meinungsfreiheit geschützt werden, und wo die Strafbarkeit von Äußerungen und Handlungen bzw. Besitz und Zeigen von Symbolen beginnt. Gegenstände, die die beiden Polizeibeamten mitgebracht hatten, die bei verschiedenen Razzien im rechtsextremen oder islamistischen Milieu abgenommen worden waren, konnten angesehen werden. Dabei gingen die Vortragenden genau darauf ein, worin die Strafbarkeit der gezeigten Gegenstände besteht. Dies ist nicht immer leicht festzustellen, wenn man nicht über das nötige Fachwissen verfügt! Radikale Gruppen suchen immer wieder nach Möglichkeiten, verbotene Symbole, z.B. Hakenkreuze oder Zeichen des IS, so umzugestalten, dass sie „erlaubt“ sind.
Weiters war er sehr interessant zu erfahren, wo und auf welche Weise (in Wien) radikale Gruppen ihre Mitglieder zu rekrutieren versuchen. Gerade Jugendliche und junge Erwachsene gehören zu einer wichtigen Zielgruppe aller besprochenen Bewegungen: Durch die Pubertät ändert sich vieles, außerdem haben junge Menschen manchmal Probleme mit den Eltern, der Schule, in der Ausbildung, mit Freundinnen und Freunden oder denken viel über den Sinn des Lebens nach. Auch Verbotenes erscheint manchen „spannend“. Radikale Gruppierungen bieten eine neue „Heimat“ unter Gleichgesinnten an, „echte“ Freundschaften und vorgefertigte, einfache Antworten auf viele Fragen des Lebens.
Im Zeitalter des Internets finden sowohl Werbung von Mitgliedern als auch Verteilung von Schriften eine große Rolle, in einschlägigen Webshops können viele bei uns verbotene Artikel bestellt werden. Besonders interessant war noch der Teil des Workshops, wie man als außenstehende Person erkennen kann, ob ein Familienmitglied, ein Freund, eine Freundin oder jemand aus der Klasse eventuell in Gefahr ist, sich einer radikalen Gruppe anzuschließen und wie man helfen kann, ohne gleich die Polizei holen zu müssen. Hier gibt es in Wien niederschwellige Dienste, die erst einmal informell arbeiten, und man muss keine Angst haben, dass gleich „Dramatisches“ passiert, wenn man diese einschaltet. Hier wird sehr viel auf Gespräche mit Betroffenen gesetzt, um deren Motivation zu erfahren und um sie möglichst aus dem unheilvollen Kreis wieder herauszuholen.
Dies führte dann dazu, dass die beiden Beamten uns einen kleinen Einblick in ihre Arbeitsweise gaben. In der großen Pause nahmen denn mehrere Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit wahr, sich von den beiden Details über den Polizeiberuf bzw. eine Polizeikarriere beschreiben zu lassen. Dies war für viele insofern interessant, da die beiden nach der Matura bzw. nach einem Studium zur Polizei gegangen sind.
Die vier Stunden verliefen wie im Fluge! Waren manche erst skeptisch, was man so lange über dieses Thema sprechen kann, so waren am Schluss die allermeisten enttäuscht, als die Zeit herum war.
Viele Schülerinnen und Schüler bedankten sich spontan bei den Vortragenden bzw. bei mir für die Organisation dieser wirklich außergewöhnlich interessanten Veranstaltung. Sie ist Teil des kostenlosen Angebots des OEAD, das vom Bildungsministerium den Schulen auf Abruf zur Verfügung gestellt wird. Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft noch oft diese gesellschaftlich und politisch wichtigen und interessanten Inhalte an der Zirkusgasse werden bieten können!
Mag. Margot Stöger